Was 2025 mir nahm – und was es mir gab

Ein Jahr zwischen Dunkelheit und Durchbruch

Wir erleben die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr oft als eine seltsame „Zwischenzeit“ – als sei alles auf Stillstand gestellt.

Dabei ist dieses Gefühl rein subjektiv. Objektiv vergeht die Zeit genauso wie jeder andere Tag, doch unser Gehirn vergleicht die ruhige Weihnachtszeit mit dem bevorstehenden Neujahr und erzeugt so den Eindruck eines Übergangs.

Wir nehmen Routinen, Termine und gesellschaftliche Erwartungen als Marker, die diese Tage besonders erscheinen lassen. In Wahrheit existiert diese Zwischenzeit nur in unserer Wahrnehmung – eine Geschichte, die wir uns über die Zeit erzählen.

Und genau darin liegt eine stille Chance: Wenn die Zeit für einen Moment ihre gewohnten Etiketten verliert, entsteht Raum zum Innehalten, ohne schon neu starten zu müssen.

Kein Druck. Kein Festhalten ans Geschehene. Diese Tage sind nicht „dazwischen“ – sie sind ein seltener Moment von Präsenz. Und genau deshalb ist jetzt der perfekte Moment für einen Rückblick auf die letzten 12 Monate, die roh, widersprüchlich und alles andere als gerade waren.

Es ging hoch und runter.
Klarheit kam und verschwand wieder.
Manches fühlte sich wie Fortschritt an, anderes wie Stillstand.

Ich habe losgelassen, was ich zu lange getragen habe.
Und festgehalten, wo ich noch nicht bereit war zu gehen.

Manche Wege gehen sich leichter zu zweit.

Mein größter Gewinn (innerlich & kreativ)

2025 war ein chaotisches - ein Übergangsjahr. Mein Kopf war oft überall – zwischen Umzügen, dem Umgang mit meiner Großmutter und ihrer Krankheit, dem Alltag in Deutschland und der Rückkehr in die USA.

Inmitten dieses Wirbels hätte ich viele Ausreden gehabt, YouTube aufzugeben. Aber ich zeigte mich. Nicht, weil ich ein Jahr durchhalten wollte, sondern weil es meine Leidenschaft ist und weil ich ein grösseres Warum habe.

Vor einem Jahr hatte mein YouTube-Kanal, bis zu dem Video im Barnstorfer Wald in Rostock – ganz nah bei dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin – nur ein paar Hundert Abos und etwa 30.000 Views.

Meine Top 5 Videos aus 2025
Hier sind die fünf Videos, die mir dieses Jahr am meisten bedeutet haben – sowohl inhaltlich als auch persönlich:

Für mich schon genug, weil ich den Prozess genoss. Doch dieses Jahr habe ich mehr erreicht, als Zahlen ausdrücken können. Ich habe mein Leben reflektiert, meine Erfahrungen zusammengefasst, an meiner Kommunikation gefeilt, Videos geschnitten, hochgeladen, meinen Newsletter aufgebaut – alles in dieser Zwischenphase, während das Leben seine eigene Geschwindigkeit hatte.

Ich habe meinen YouTube-Studio 2x neu aufgebaut, einen Rhythmus gefunden und mich durch die Ungewissheit gearbeitet. Ich habe Tausende Menschen erreicht, mich mit ihnen verbunden – und trotzdem mehr als einmal gedacht, ich könnte aufhören. Ich bin aber geblieben.

Heute habe ich ca. 13.200 Abos, rund 840.000 Views und einen Newsletter mit 550 Abonnenten. Aber wichtiger als jede Zahl ist, dass ich meine eigene Stimme gefunden habe: weniger Vergleichen, weniger Optimieren – und mehr von dem teilen, was wirklich aus mir kommt.

2025 hat mir erneut gezeigt: Bleib lange genug bei einer Sache, bis sie beginnt, dich zu verändern.

Mein größter Verlust (und warum er mich wach gemacht hat)

Dieses Jahr habe ich meine Oma verloren. 88 Jahre alt.
Ein Leben, das den 2 Weltkrieg überstanden hat.
Ein Leben mit Narben, mit Würde, mit echter Lebensfreude und einer inneren Stärke, die man nicht erklären, sondern leben muss.

Wir haben vier Monate mit ihr verbracht, bevor sie von uns gegangen ist.
Vier Monate, in denen die Zeit plötzlich langsamer wurde.
Sie hat meinen Sohn erlebt.
Sie hat meinen Hund gestreichelt.
Vier Generationen im selben Raum – und alle wussten, dass der Tag kommen wird aber niemand wusste genau wann.

Ihr Tod hat mir nichts „weggenommen“. Er hat mir etwas gezeigt.

Dass das Leben ein Verfallsdatum hat.
Eines, das irgendwann erreicht ist – egal, wie sehr wir planen, optimieren oder kontrollieren.

Ihr Tod war still, kein lauter Einschnitt, und trotzdem hat er mir auf bemerkenswerter Weise gezeigt, dass wir nicht ewig Zeit haben, unser Leben irgendwann zu leben. Plötzlich wirken viele Sorgen klein, die wir sonst so groß machen – Streit, Vergleiche, Ängste – weil echte Kostbarkeit nicht in dem liegt, was wir kontrollieren, sondern in dem, was wir wirklich fühlen und teilen, hier und jetzt.

Innerhalb von 30 Tagen zogen neue Menschen in ihre Wohnung, hingen neue Vorhänge auf, und irgendwie fühlte sich alles an wie „Gone with the Wind“ – als hätte das Leben selbst die Räume übernommen.

Beim Abschied weinten viele bei der Beerdigung, und trotzdem war es auch ein Moment zu feiern: 88 Jahre voller Geschichten, voller Leben, voller Augenblicke, die nie wiederkommen.

Die wichtigste Lektion aus 2025

Vision erzeugt Energie – nicht umgekehrt.

Ich dachte lange, ich müsse erst wieder „mehr Energie haben“, um klar zu sehen, wohin es geht. Die Wahrheit ist genau andersherum.

Jede Phase in meinem Leben, in der ich wirklich lebendig war, hatte eines gemeinsam: ein inneres, sehr detailliertes Bild von meiner Zukunft.

Als diese Richtung fehlte, habe ich mich selbst infrage gestellt. Heute weiß ich: Ich war nicht kaputt. Ich war orientierungslos.

Wenn du gerade feststeckst, frag dich nicht: „Was stimmt nicht mit mir?“ Frag dich: „Worauf gehe ich eigentlich zu?“

Weitere Lektionen, die 2025 mir geschenkt hat

1. Nicht jeder verdient Zugang zu deinem Inneren

Freundlichkeit heißt nicht, alles preiszugeben. Deine Gedanken, Ängste und Träume sind wertvoll – sie gehören nicht in jede Hand. Tiefe ist kein Smalltalk.

2. Grenzen sind Liebe – zu dir und zu anderen 

Grenzen können weh tun, und genau deshalb sind sie wichtig. Manche mochten dich nur, weil du keine hattest. Das ist keine Nähe, das ist Bequemlichkeit.

3. Dein Frieden ist mehr wert als Recht zu haben 

Nicht jeder Streit ist deine Energie wert. Manchmal ist Gehen die reifste Form von Stärke.

4. Ruhe ist keine Belohnung, sondern Voraussetzung 

Erschöpfung ist kein Statussymbol. Dein Körper ist kein Projekt – er ist dein Zuhause. Ohne Energie läuft nichts.

5. Gesundheit ist das Fundament von allem 

2025 hat mir erneut gezeigt, wie eng körperliches, mentales und emotionales Wohl miteinander verbunden sind. Ohne Gesundheit keine Klarheit, ohne Klarheit keine guten Entscheidungen.

6. Manche Kapitel enden ohne Abschluss 

Du bekommst nicht immer Antworten, Entschuldigungen oder Sinn. Geh trotzdem weiter.

7. Loslassen ist kein Verlust – es ist Befreiung 

Vergangenheit analysieren, lernen und dann loslassen. Wer in alten Dynamiken verharrt, verbraucht Energie für das Hier und Jetzt.

8. Du schuldest niemandem Konsistenz mit deinem alten Ich 

„Du hast dich verändert“ ist nicht immer Kritik. Oft ist es ein Zeichen von Wachstum.

9. Authentizität zieht an – Optimierung stößt ab 

Es gibt einen Punkt, an dem Selbstoptimierung laut wird und Verbindung verliert. Ehrlichkeit, Klarheit und deine eigene Stimme schaffen echte Nähe.

10. Handeln ohne Anhaftung verändert alles 

Wu Wei in der Praxis: handeln, ohne sich emotional an Ergebnisse zu ketten. Ziele sind nicht alles – Werte sind entscheidend.

Wenn ich 2025 in einem Satz zusammenfassen müsste:

Ich habe zu lange aus einer Zukunft gelebt, die bereits hinter mir lag. 2026 wird wieder nach vorne schauen.

Vielleicht war 2025 für dich schwer. Vielleicht unklar. Vielleicht leise schmerzhaft.

Erinnere dich daran: Dunkelheit hat ein Maximum. Und danach nimmt sie ab.

Du musst nicht fertig sein, geheilt oder perfekt sein.

Nur bereit, dir selbst wieder ein Stück mehr zu vertrauen.

Danke, dass du bis hier gelesen hast. 🙏

Bis bald!

Dein Christian

P.S. Im nächsten Video erkläre ich, warum die meisten Neujahrs-Vorsätze spätestens zwei Wochen später scheitern – und wie du es diesmal wirklich anders machen kannst. Versprochen!