Warum ich aufgehört habe, es allen recht zu machen

Das Geschenk hinter der Kritik

Ich habe viel Jahrzehnte damit verbracht, es allen recht zu machen.
Lehrern. Freunden. Chefs. Sogar Fremden.
Wenn jemand mich nicht mochte, fühlte sich das an, als würde ein Stück von mir zerbrechen.

Es ging nie um Eitelkeit.
Es ging nur um Sicherheit und das Gefühl gemocht zu werden.

Wenn alle um mich herum mit mir zufrieden waren, fühlte ich mich sicher.
Wenn jemand enttäuscht war, begann ich sofort, mich selbst in Frage zu stellen.

Und dann Ende 2023 kam YouTube.

Ich dachte, ich wäre bereit.
Bereit, meine Erfahrungen zu teilen.
Bereit, Menschen zu inspirieren.
Bereit, etwas zurückzugeben.

Ja, ich habe viel erlebt. Bin oft unkonventionelle Wege gegangen und ich liebte es schon als Kind Geschichten zu erzählen.

Doch ich war nicht bereit für die andere Seite.
Die Seite, auf der Fremde dich bewerten, beleidigen, kritisieren – manchmal ohne Grund.

Am Anfang habe ich versucht, es zu ignorieren.
Dann wollte ich mich verbessern.
Doch irgendwann lag ich nachts wach – wegen einem einzigen Kommentar.

Mein Herz pochte unaufhaltsam.
Ein einziger Satz eines Fremden, ohne Bild und ein ausgedachter Name, hatte mehr Macht über mich als mein eigenes Selbstvertrauen.

In dieser Nacht wurde mir klar:
Ich hatte mein ganzes Leben darauf aufgebaut, gemocht zu werden.

YouTube hat dieses Problem nicht erschaffen.
Es hat es sichtbar gemacht.

Jeder Kommentar war wie ein Spiegel und zeigte mir, wo ich innerlich noch nicht stabil war.

Und genau das hat mich wachsen lassen.

Du kannst auf YouTube nicht kontrollieren, wann und wie Menschen dich beurteilen.
Du kannst nur entscheiden, ob du trotzdem weitermachst.

Klar, du kannst Kommentare ausschalten aber damit schaltest du auch die Möglichkeit aus, zu wachsen.

Denn jedes Mal, wenn dich etwas triggert, zeigt es dir nur eins:
Da ist noch etwas in dir, das gesehen, geheilt oder verstanden werden will.

Ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, Kritik zu vermeiden,
sondern damit Frieden zu schließen.

YouTube hat mich also gezwungen, mich selbst zu konfrontieren.
Meine Unsicherheiten.
Mein Bedürfnis nach Anerkennung.
Meine Angst, nicht genug zu sein.

Aber durch all das bin ich ruhiger geworden.
Stärker. Echter.

Heute brauche ich keine Zustimmung mehr, um mich sicher zu fühlen.
Ich brauche nur die Gewissheit, dass ich authentisch bin.

Denn am Ende ist es egal, ob jemand dich mag oder nicht.
Wichtig ist nur, dass du dich nicht selbst verlierst,
während du versuchst, es allen recht zu machen.

Kurt Cobain hat dazu folgenden Satz gesagt: „Ich lasse mich lieber für das hassen, was ich bin, als für das geliebt werden, was ich nicht bin.“

Und genau das ist vielleicht die schönste Lektion, die mir YouTube je geschenkt hat.

Mit der Zeit hat sich etwas verändert.
Ich las Kommentare nicht mehr mit Angst, sondern mit Neugier.

Nicht mehr: „Warum mögen sie mich nicht?“
Sondern: „Warum trifft mich das?“

Und die Antwort war immer dieselbe:
Weil ein Teil in mir noch glaubte, dass ich nur dann genug bin, wenn mich jeder mag.

Heute bekomme ich immer noch negative Kommentare. Aber sie berühren mich anders.

Weil ich verstanden habe:
Kritik ist kein Angriff.
Sie ist eine Einladung zu prüfen, wie fest du wirklich in dir selbst stehst.

YouTube hat mich nicht nur gelehrt, Videos zu machen.
Es hat mich gelehrt, mich selbst zu akzeptieren.

Und das ist die wahre Freiheit.
Nicht die Klicks.
Nicht die Abonnenten.
Sondern der Frieden, der entsteht, wenn du endlich aufhörst, von allen gemocht werden zu wollen.

Wenn du gerade selbst mit Kritik kämpfst von anderen oder von dir selbst, dann erinnere dich daran:
Kritik ist kein Feind.
Sie ist ein Spiegel, der dir zeigt, wo du wachsen darfst.

Bis bald,
Dein Christian