- Christian. Ungefiltert. 🌱
- Posts
- Jeden Morgen steige ich in mein Auto und spiele eine Rolle, die ich nicht mehr bin
Jeden Morgen steige ich in mein Auto und spiele eine Rolle, die ich nicht mehr bin
Und ich habe lange so getan, als wäre das normal
Jeden Morgen steige ich in mein Auto und fahre in ein Leben, das sich nicht mehr ganz nach mir anfühlt.
Und ich glaube, viele Menschen kennen dieses Gefühl, sprechen aber nie wirklich darüber.
Es ist Donnerstagmorgen. 7:42 Uhr.
Ich sitze auf einem Parkplatz in Colorado und starre auf die Auffahrt zum Freeway. Vor mir liegen 65 Meilen Richtung Denver. Autohäuser. Gespräche. Meetings. Smalltalk. Lösungen verkaufen. Funktionieren.

Von außen sieht alles normal aus.
Und vielleicht ist genau das das Problem.
Denn während der Motor läuft, merke ich immer öfter, dass innerlich etwas längst stehen geblieben ist.
Es ist wie ein leises Wissen, das sich nicht mehr abschütteln lässt.
Der Mann, der jeden Morgen in dieses Auto steigt, bin ich vielleicht einfach nicht mehr.
Und trotzdem fahre ich los.
Ich glaube, darüber wird viel zu wenig gesprochen.
Nicht über Burnout oder über totale Erschöpfung. Sondern über diesen anderen Zustand:
Wenn du äußerlich noch funktionierst, aber innerlich merkst, dass etwas vorbei ist.
Dass ein Kapitel eigentlich abgeschlossen ist, obwohl du noch mittendrin lebst.
Und vielleicht macht genau das alles so verwirrend.
Weil nichts komplett schlimm genug ist, um sofort alles zu verändern.
Also macht man weiter.
Man antwortet auf E-Mails.
Man erscheint zu Meetings.
Man liefert.
Man erklärt sich selbst, warum man eigentlich dankbar sein müsste.
Und gleichzeitig spürt man, dass man sich immer weiter von sich selbst entfernt.
Ich frage mich in letzter Zeit oft, wie viele Entscheidungen in meinem Leben eigentlich wirklich meine waren.
Mit Anfang zwanzig wollte ich Anerkennung, Sicherheit, Bedeutung und ein gutes Einkommen. Ich wollte jemand werden. Vielleicht auch etwas beweisen.
Also habe ich Entscheidungen getroffen, die damals Sinn ergeben haben.
Karriere.
Leistung.
Status.
Immer weiter.
Und ich verurteile das nicht einmal.
Ich glaube, viele von uns bauen sich zuerst ein Leben, das von außen Sinn ergibt — und merken erst Jahre später, ob es sich innen auch wirklich nach ihnen anfühlt.
Vielleicht ist Erwachsenwerden genau das:
Zu erkennen, dass die Version von dir, die bestimmte Entscheidungen getroffen hat, nicht dieselbe ist, die heute mit ihren Konsequenzen lebt.
Ich merke das besonders auf diesen langen Fahrten.
Früher dachte ich immer, ich müsste irgendwann “ankommen”. Mehr Geld. Mehr Erfolg. Mehr Sicherheit. Dann würde Ruhe einkehren.
Aber selbst die Dinge, von denen ich dachte, dass sie mich erfüllen würden, haben dieses Gefühl nie wirklich dauerhaft erzeugt.
Und irgendwann saß ich nachts wach und wusste ehrlich gesagt nicht mehr genau, wer ich ohne Leistung überhaupt bin.
Das Schwierige daran ist:
Es gibt keinen klaren Moment, an dem dir jemand sagt:
„Dieses Leben passt nicht mehr zu dir.“
Das musst du selbst spüren und erkennen.
Und selbst wenn du es spürst, heißt das noch lange nicht, dass du sofort alles hinschmeißt.
Ich tue das ja auch nicht.
Ich fahre diese Strecke diese Woche wieder. Wahrscheinlich auch nächste Woche.
Aber etwas hat sich trotzdem verändert.
Früher dachte ich, ich müsste dieses Gefühl loswerden. Wegoptimieren. Wegerklären. Mich einfach mehr zusammenreißen.
Heute glaube ich langsam, dass dieses Gefühl vielleicht gar nicht das Problem ist.
Vielleicht ist es einfach Ehrlichkeit.
Die Ehrlichkeit zuzugeben, dass man sich verändert hat.
Dass vieles, wonach man früher gestrebt hat, plötzlich keine echte Resonanz mehr erzeugt.
Vielleicht ist genau das Wachstum.
Nicht, jemand komplett Neues zu werden. Sondern immer weniger bereit zu sein, gegen sich selbst zu leben.
Ich glaube, wir tragen lange Versionen von uns herum, die aus Angst, Anpassung oder dem Wunsch nach Anerkennung entstanden sind.
Und irgendwann beginnt etwas Tieferes durchzukommen.
Und dass das Leben, das man einmal aufgebaut hat, plötzlich nicht mehr vollständig zu dem Menschen passt, der man geworden ist.
Ich habe darauf noch keine perfekte Antwort.
Ich bin selbst irgendwo zwischen Loslassen und Verantwortung. Zwischen Sicherheit und etwas Neuem. Zwischen Funktionieren und Leben.
Aber vielleicht beginnt Veränderung genau dort:
Nicht in der Klarheit.
Sondern in dem Moment, in dem man aufhört, sich selbst anzulügen.
Wenn du das gelesen hast und dich irgendwo darin wiedererkennst, dann bist du wahrscheinlich nicht allein damit.
Wenn du das Gefühl kennst, dass dein äußeres Leben nicht mehr ganz zu deinem inneren passt, dann können wir hier sprechen:
👉 Link
Bis nächste Woche,
Dein Christian